Mein erfolgreicher Weg zum Scheitern

Vorwort

Willkommen in meinem Text und ich freue mich auf Sie als Leser meiner kleinen Geschichte. Nehmen Sie sich doch gern die Zeit und machen es sich gemütlich. In diesem Text gibt es keine Faktensammlung für den schnellsten Weg zum Scheitern, sondern ich reflektiere meine eigene, ganz persönliche Geschichte. Da sind tiefe Einblicke und leicht provokante Ansichten dabei und sicher ist das alles nur meine Sicht der Dinge. Am Ende der kleinen Reise steht für mich dieser Text, welchen ich nie schreiben wollte und nun dennoch geschrieben habe.

Mir ist im Übrigen klar, dass dies keine abschließend Betrachtung ist. Dieser Text hat eine gewisse Mischung aus Ironie, Sarkasmus oder Untertreibung inne. Er ist aber stets voll positiver und guter Absichten mir selbst gegenüber und fair gegenüber allen anderen Beteiligten.

Der Text markiert meine Stimmung zum Jahresende 2021 und wo ich ihn nun veröffentlich habe, fiel mir direkt auf, dass sich in den vergangenen 6 Monaten einige neue Erkenntnisse aufgetan haben. Um die Geschichte aber nicht zu verfälschen bleibe ich dabei und weise lediglich darauf hin, dass wir Menschen zum ständigen Lernen in der Lage sind, dass sollte uns aber nicht davon abhalten, den aktuellen Stand der eigenen Erkenntnis zu dokumentieren. In diesem Sinne.

Wo fange ich an?

So klar ich vieles rückblickend sehen kann, so schwer fallen mir dagegen genaue Beschreibungen, die zum Nachmachen anregen könnten. Ein wichtiger Punkt jeder Heldenreise ist wohl der Anfang und der möchte gut überlegt sein. Gern nehme ich Sie mit auf eine Reise auf den Holzweg und gehe fest davon aus, dass Sie diese Reise einmal erleben möchten. So viel vorweg: Es ist zwar schmerzhaft, jedochgleichermaßen erleuchtend.

Der Beginn dieser Reise ist kaum zu sehen und ob Sie sich schon auf dem richtigen Weg zum Scheitern befinden kann ich nicht wissen. Das liegt besonders daran, dass viele Abbiegungen, die zum Scheitern führen, dank netter Menschen verpasst wurden. Damit dies nicht noch einmal passiert, fange ich weiter vorn an.

Damit man die Chance erhält, in seinem Leben zu scheitern, muss man zuvor einiges richtig machen. So schadet ein guter Berufseinstieg eben so wenig, wie ein gutes Umfeld aus Freunden und Familie. Erst wenn man eine gewisse Komforthöhe erreicht hat, lohnt es sich zu scheitern, denn ohne die Höhe ist ein Scheitern quasi nicht spürbar oder für andere ersichtlich. Da sich meine Geschichte im beruflichen Umfeld ereignet hat, schreibe ich über genau dieses Umfeld und lasse Familie und Freunde außen vor, soweit die Trennung möglich ist. Diese Abgrenzung habe ich bewusst gewählt, um nicht unfair werden zu müssen.

Meine Reise beginnt irgendwo in meiner Kindheit und es geht um die Begeisterung für Technik und den Willen, mal etwas Großes zu erreichen. Dadurch kam ich über eine angefangene Ausbildung zum medizinisch technischen Assistenten für Funktionsdiagnostik, zu meinem Studium der medizinischen Ingenieurwissenschaten an der TU Hamburg-Harburg und schließlich zur dualen Hochschule in Mannheim im Rahmen eines dualen Studiums bei der Siemens Tochter für IT. Ihr Name hat sich so oft geändert, dass ich es dabei belasse. Am Ende des Studiums wanderte ich dann zur IABG, meinem Arbeitgeber für die kommenden 11 Jahre. Hätte ich es damals gewusst, dass ich dort so lange in wechselnden Rollen verbleiben werde, hätte ich es eh nicht geglaubt, da die Zeit recht schnell verflog. Für ein echtes Scheitern ist die Höhe noch nicht ausreichend, also haben wir privat und beruflich ein paar Dinge nicht völlig falsch eingeschätzt und uns ganz gut etabliert. Als Arbeitnehmer ging es mir recht gut und die Arbeitsbedingungen sorgten dafür, dass mich der Arbeitgeber nicht zu sehr gebunden hat. Fair betrachtet hatte ich ein paar sehr gute Chefs, mit denen ich mich bis heute sehr gut verstehe.

Nun reicht die Komforthöhe, um mein Scheitern einzuleiten. Neben dem Arbeitgeber brachten ein paar familiäre Ereignisse, die sich wie eine Perlenkette aufreihten das Leben soweit durcheinander, dass in mir der Eindruck entstand, dass sich etwas ändern muss. Nachdem ich Tote nicht lebendig machen und Menschen nicht ändern kann, blieb mir als Variable nur der Beruf. Das Kind in mir sagte: Ich möchte Teil von etwas Großem werden. Da Kinder und alte Leute die Wahrheit sagen, hörte ich mir aufgeschlossen zu und leitete den größten Fehler meines Lebens ein, der gar keiner ist und war, und überführte das kleine Nebengewerbe in eine richige Firma,. Alternativ hätte ich das Nebengewerbe einfach schließen und den Jakobsweg entlangpilgern können. Hier fängt also ganz unspektakulär etwas an, von dem die allermeisten sagen würde, dass ab hier alles klar war. Es gab komischerweise kaum Kritiker und kaum Befürworter. Ein richtiges Warnschild habe ich in der zahlreichen Literatur nicht gefunden. Mir war klar, ab hier wird es komplizierter und anstrengend. Ich litt in dem Moment nicht einmal an rosa Wahnvorstellungen, denn das Risiko zu scheitern war immens und die Chance auf Erfolg eher theoretische Atomsucherei.

Hier also, an diesem kleinen Wendepunkt im Januar 2019 beginnt der Weg, auf den ich Sie gern mitreiße. Für alle, die es selbst erleben möchten, habe ich also folgenden Rat: Gründet ein Unternehmen in einer euch fremden Branche mit möglichst wenig Vorwissen und ohne jede Kundenbeziehung. Richtet euch dann auf eine Nische ein, die noch keiner kennt, denn sonst weiß jemand, was ihr da vorhabt. Alles klar so weit?Dann können wir loslegen!

Eine Alternative wäre gewesen, das Geld in einen tollen Roadster zu stecken und ein Jahr lang die Alpen hoch und runter zu fahren. Das wäre ökologisch nicht gut gewesen, hätte aber ökonomisch weniger Schaden angerichtet und wäre emotional sicher wesentlich besser für mich gewesen. Oder wie wäre es mit einer kleinen Weltreise mit der Familie, für alle, die Fan meines FamilyFirst-Gedanken sind. Hätte hätte Fahrradkette!

KONKRET Man kann und sollte nicht auf den perfekten Zeitpunkt warten, und dessen bin ich mir bewusst, denn den gibt es nicht. Sicher hört jeder mal die Sätze "Das hat mir gerade noch gefehlt!" oder "Das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen!" Im Grunde kann man diese Ausrufe ganz einfach entkräften: Der erste Satz ist selten ernst gemeint und beim zweiten Satz hilft die Frage nach dem passenden Zeitpunkt, um zu akzeptieren, dass es einfach irgendwann Zeit für etwas ist, was zum Leben dazugehört.

Was ist eigentlich Scheitern?

An dieser Stelle wird es schwammig, denn der Begriff als solches ist so relativ wie der vom Erfolg. In der Literatur spricht man davon, dass ein angestrebtes Ziel nicht erreicht wurde, beziehungsweise dass man keinen Erfolg hat. Witzig, denn damit ist Scheitern wohl das Gegenteil von Erfolg. Wäre das so, dann müsste man ja nur den Bankrott als Ziel erklären und schon wäre man erfolgreich, weil man dieses Ziel leicht erreichen kann. Die vielen Verben wie versagen, straucheln und stranden helfen auch nicht weiter. Insbesondere da "scheitern" der Definitionsbegriff ist, ist es für uns so schwer, damit umzugehen. Vor allem in Deutschland ist Scheitern maximal negativ belegt, dabei begleitet uns dieser Begriff von Geburt an. Am Anfang scheitern wir ständig. Da sehen wir ein funkelndes Spielzeug in der anderen Ecke vom Raum und dieses Ziel erreichen wir nicht auf Anhieb. Viel Übung und Ehrgeiz lassen uns dieses Ziel irgendwann erreichen und das Scheitern wird zum Erfolg, bis wir etwas Tolles auf dem Tisch entdecken. Wieder scheitern wir an unseren Zielen. Vielleicht ahnen Sie es schon: Beim Scheitern geht es darum, sich ambitionierten Zielen zu nähern und es die ersten Male nicht zu schaffen. Warum scheitern so negativ belegt ist mag historisch mit was auch immer zu tun haben, aber es ist kein gutes Gefühl, egal wie sehr wir es kennen und gewohnt sind. Wer nicht scheitern möchte, darf sich seine Ziele nicht so hoch setzen. Er bleibt das, was er ist und liegt ein Leben lang in der Ecke, wo ihn seine Eltern hingelegt haben.

Jetzt könnte man meinen: Super, Markus, du scheiterst, danach kommt der Erfolg, denn vor jedem Erfolg steht das häufige Scheitern. So positiv möchte ich es gar nicht verstanden wissen und wer an so großen Momenten in seinem Leben gescheitert ist, wird vielleicht bestätigen, dass es einen wirklich belastet. Ich hatte zwischendurch gelesen: "Wenn ein Startup scheitert, zerbricht immer auch eine Persönlichkeit." Das zeigt ganz gut, wie schwer nach einem solch großen Scheitern, die Wiederaufnahme des eigenen Lebens ist.

Per Definition ist damit mein Traum gar nicht gescheitert. Habe ich nur die falschen Ziele verfolgt? Diese Idee habe ich länger vor mir ausgebreitet. Das passiert wie eine Art Selbstschutz, schließlich bin ich mit der Firma in den wenigen Jahren sehr weit gekommen. Einige in meinem Umfeld klopfen mir auf die Schulter und sind beeindruckt, was ich in der Zeit geschaffen habe und verstehen gar nicht so recht, wie man das mit so wenig Ressourcen schaffen konnte. An dieser Stelle wird es immer schwerer zu entscheiden, was Scheitern eigentlich ist und für einen selbst bedeutet.

Zur Vereinfachung, und ich mag vereinfachte Modelle, bezieht sich das Scheitern einzig und allein auf die finanzielle Sichtweise. Während mein Steuerberater deutlich kleinere Zahlen nennen würde, rechne ich diese möglichst groß. Im Grunde geht es beim Scheitern doch um die möglichst große Fallhöhe aus der Komfortzone. Wer hier wirklich große Zahlen möchte, um am Stammtisch voll auftrumpfen zu können, geht hier einen simplen Weg. Nach meiner Rechnung starte ich im Januar 2019, als ich gegründet habe, also möglichst an einen frühen Zeitpunkt. Gerne kann man die Monate der Findung vor einer Gründung schon mit einrechnen, wenn sie das Ergebnis negativ beeinflussen. Von diesem Stichtag an rechnet man die angefallenen Kosten zusammen. Hier würde der Steuerberater nur die Kosten ansetzen, die wirklich direkt verschwinden, aber wirkungsvoller in meinem Sinne ist es, wenn jeder Euro in der Firma auch voll als Kosten eingerechnet wird. Weil an dieser Stelle die Zahlen oft noch nicht schlimm genug aussehen, rechne ich mein Gehalt, welches ich ja nun nicht mehr erhalte als weiteren Verlust obendrauf und zwar möglichst den Bruttobetrag mit allen Lohnnebenkosten und Prämien. Wenn dies alles aufsummiert ist, ergibt sich eine große und vorzeigbare Zahl für das nächste Treffen am Stammtisch. Die Zahl ist im Übrigen nicht gänzlich falsch, auch wenn ich es so lax schreibe. Das ist die Differenz zwischen "weiter so" und "ich gründe was". Für die Zahlenfüchse lohnen sich noch ein Zinseszinsaufschlag und ein ausgerechneter Opportnitätsnachteil, also wenn ich weiter so gemacht hätte, dann wäre ich heute Bereichsleiter mit einem Gehalt von X Euro, ohne Anspruch auf reale Chancen.

Wer richtig professionell scheitern möchte, trägt diese Zahl wie eine Warntafel vor sich her und erinnert sich immer wieder an dieses Investment. Einigen Menschen geht es damit noch nicht schlecht, aber mir hat es vollkommen ausgereicht. Es sägt am eigenen Selbstwertgefühl. Während sogar die eigenen Kinder ein höheres Taschengeld beziehen, zahlt man Monat für Monat viel Geld. Da heitert es auf, dass man im Urlaub, also wenn man nicht arbeitet, weniger Verluste einfährt und Urlaub plötzlich positiv in der Bilanz auftaucht. Was für ein Quatsch.

KONKRET Der Titel kommt aus der Kontroverse, dass man unterschiedliche Maßstäbe heranziehen kann. In vielen Gesprächen wurde mir gesagt, wie mutig ich war oder wie weit ich es mit uniforx geschafft habe. Kurz, wie erfolgreich ich mit uniforx bin. Gleichzeitig bin ich mit uniforx an der ersten Steigung gescheitert. Das ist in Summe etwas komplexer und dies aufzuarbeiten, wird mich länger beschäftigen als dieser Text es zulässt. Am Ende ist es aber wahr, denn ich war sehr erfolgreich in vielen Disziplinen und einige der Vorarbeiten sind nie zum Tragen gekommen. Am Ende scheiterte alles an den Zahlen und das ist bei einem Unternehmen nun einmal die Messgröße das Scheitern. Man kann alles ganz toll meistern, am Ende zählt nur die Zahl. Umgekehrt geht es übrigens nicht, denn nur weil die Zahlen am Anfang stimmen bedeutet es nicht, dass der Rest erfolgreich wird. Es braucht beides!

Falsche Annahmen als Erfolgsgarant

Falsche Annahmen sind ganz wichtig auf dem Weg zu einem unternehmerischen Scheitern. Die Annahmen sollten dabei sachbezogen und durch Studien fundiert sein, dann liegt man sicherer daneben. Im ersten Jahr habe ich Studien gelesen, Umfragen interpretiert und Interviews angesehen. Alles Materialien, die in meine Richtung zielten oder viel mehr, die eine Relevanz für den Geschäftszweck hatten, wenngleich dieser am Anfang ganz anders und sehr generisch definiert wurde. Diese Studien wurden deutschlandweit oder international erstellt und zeichneten über einen längeren Zeitraum ein recht eindeutiges Bild. Immer wieder hatte ich versucht die Ergebnisse zu widerlegen, um ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen. Das finale Bild entsprach am Ende allem, was ich schon zu wissen glaubte. Ein Recherchefehler war es nicht, den habe ich ausgeschlossen und sogar mit anderen Personen ausgetauscht. Meine Kontaktpersonen stammten aus dem Bereich oder waren am Rande damit befasst. Viele stützten meine bereits getroffenen Annahmen und die wenigsten hatten Gegenargumente. Sieht bis hier ganz gut aus. Und immer wieder bekam ich für meine Thesen breite Zustimmung, bis heute. Die Probleme sind scheinbar konkret und meine angebotene Lösung im Gespräch nachvollziehbar.

Wenn man die richtigen Annahmen getroffen hat, kann man mit einer Definition starten. Es wird ein Problem identifiziert und daraufhin eine Lösung erarbeitet. Alles ganz unspektakulär. Einen entsprechenden Proof of Concept hatte ich sogar schon seit mehreren Jahren erfolgreich am Laufen, ohne es gewusst zu haben. Dieser Teil der Unternehmung ist meine Spezialdisziplin und es ist elektrisierend, wenn alles zusammenpasst. Das mache ich gern und das kann ich gut, spielt für das Scheitern aber nur soweit eine Rolle, als dass es wichtig ist, sein Kartenhaus möglichst schnell und gut aufbauen zu können, wenn man etwas kaputt machen möchte.

Mein Problem, welches sich aus meinen Annahmen abgeleitet hatte war die Idee, dass man Wissen besser vermitteln möchte, dafür jedoch zu wenig Budget zur Verfügung hat, um es mit etablierten Methoden bewältigen zu können. Dazu mischte sich die Annahme, dass nicht die Wissensvermittlung verbessert werden soll, sondern sich sogar der Bereich verbreitert, wo man dies tun möchte. Also Bereiche, wo bisher gar kein Wissen vermittelt wurde, weil man es als allgemein gegeben angenommen hatte. Konkret geht es um einen besonders leichten Weg, um Videotrainings oder Onlinekommunikation zu produzieren, ohne den bisher üblichen Aufwand. Als der erste Lockdown begann, nahm ich an, dass Präsenzveranstaltungen einer moderneren Form Platz machen müssen. Gemischt mit dem Gefühl, dass, wenn man dies nun nicht richtig angeht, viel von modernen Ansätzen verbrannt wird und es am Ende allen nur zum Halse raushängt.

KONKRET Ich habe viel zu lange auf Daten und Fakten und vor allem auf meine Logik gehört. Emotionale Handlungen unterliegen aber keiner Logik und lassen sich mit Daten und Fakten kaum begründen. Genau hier liegt mein Fehler, den ich zu lange gesehen und verstanden habe, aber meine Handlung war zu lange davon gehemmt. Hier ein Beispiel: Jemand in der Automobilbranche entwickelt Motoren und wird während Corona in Kurzarbeit geschickt. Schon ohne Corona sind die Zukunftsaussichten eher dünn, aber jetzt, wo er viel Zeit hat, kauft er sich einen Strandkorb und ein tolles neues Fahrrad und macht die Terrasse endlich mal neu. Wäre meine Zukunft so bedroht, ich hätte andere Gedanken. Das Letzte was mir einfiele, ware es, meine Ersparnisse auszugeben als Belohnung für die gewonnene Freizeit. Daran sieht man, wie groß der Unterschied zwischen emotionalem und rationalem Handel sein kann. Es war interessant zu erleben, wie unterschiedlich Menschen dies für sich bewerten. Ich hoffte darauf, dass Unternehmer anders handeln. Mit dieser Annahme lag ich jedoch gründlich falsch. Letzten Endes handelt es sich ja auch nur um Menschen.

BELEG Um die Sache ein wenig zu unterfüttern: Alle reden von gesunder Ernährung und mein Lieblingsbeispiel ist die Geschichte vom Salat und der Currywurst. Eine Umfrage hatte ergeben, dass sich die Kunden einer Kantine mehr gesundes Essen wünschten und eine Salatbar genau das richtige wäre. Die Kantine hat sogar tolle Salatteller angeboten und nicht nur die Salatbar ergänzt. Der Absatz lag aber ganz klar auf Currywurst, Schnitzel und anderen Klassikern, die dem Menschen nicht so gut tun.

Einer dieser Mythen ist zum Beispiel: "Du musst einen Nutzen stiften, dann kauft der Kunde" oder "Wenn der Kunde verhandelt, möchte er eigentlich kaufen" oder "Du musst der erste am Markt sein, der diesen dann für sich einnimmt" oder fast schon mein Liebling "Die Leistung muss super simple zu nutzen sein". Alles Quatsch, aber wenn man richtig scheitern möchte, dann sollte man für eine ausreichende Weile an genau diese Einstellungen glauben. Warum? Nehmen wir das erste Beispiel und beleuchten es genauer. Es dauert sehr lange einen Nutzen für eine Zielgruppe zu erkennen, analysieren und dann eine entsprechende Lösung zu entwickeln. Dann muss dieser Nutzen sichtbar gemacht werden und diese Botschaft muss den Kunden anschließend erreichen. Alles dreht sich also um den Nutzen und die Zielgruppe. Richtig irre wird es, wenn man vorher eine Persona-Analyse macht, die viel Zeit und Geld kosten kann. Am Ende kauft der Kunde aber nicht rational objektiv, sondern hoch emotional und damit ist jede Investition in einen echten Nutzen nur dafür gut, sein Scheitern möglichst groß werden zu lassen. Der Kunde kauft, was er kauft und nicht was er braucht, aber das ist kein Mythos und daher ungeeignet für irgendwas. Wie gut wird sich wohl ein Salat an jemanden verkaufen der sich über seine 150kg freut und ein wenig stolz darauf ist, weil es ihm so gut geht und das Schnitzel einfach besser ist. Das Schnitzel in seiner Situation stiftet aber keinen rationalen Nutzen, sondern nur einen Schaden. Egal, denn er wird emotional entscheiden und das Schnitzel kaufen. Im B2B Bereich sind Emotionen schwerer zu packen. Dort wird alles hinter einer Fassade aus Wirtschaftlichkeit und Fakten versteckt. Ich persönlich kaufe unternehmerisch rational ein. Wie der Laptop aussieht ist mir egal, denn er muss eine gewisse Leistung erbringen und auf die Frage eines Vertrieblers, wieviel es denn kosten darf habe ich nie eine Antwort, denn es muss rational passen und der Preis ist da kein guter Parameter. Emotional ist bei mir eher die Entscheidung, dass ich unbedingt eines der besten Systeme für Medienproduktionen auf die Beine stellen möchte. Diese emotionale Komponente braucht man für ein Scheitern, denn rational müsste man viel zu früh aufhören und könnte immer nur am Rande der Komfortzone scheitern.

Was also kauft ein B2B Kunde? Das, was er kauft! Und deswegen sprechen Experten auch gerne von B2C Marketing und B2B Vertrieb. Nehmen Sie sich also einen Mythos aus dem Marketing, wenn Sie im B2B ankommen wolle oder versuchen Sie, mit einem klassischen Vertrieb den B2C Massenmarkt zu erobern. Immer getreu dem Motto, wenn die App möglichst einfach ist, dann werden Sie erfolgreich. Dass dies nur ein Mythos sein kann, sieht man an Amazon, Facebook und anderen Giganten, deren Benutzeroberfläche und Interaktionsabläufe eher verblüffen als begeistern.

Wie man Ausfahrten besser verpasst

Wer schon auf dem Weg zum Scheitern ist, wird vermutlich des fteren die Versuchung erlebt haben, wie sich die sogenannten Ausfahrten im Leben anbieten. Und damit ihr nicht versehentlich oder wissentlich vom Weg abkommt, habe ich hier meine Tricks genauer beschrieben, wie man solche Ausfahrten möglichst gut verpasst oder wenigstens ignoriert. Im Nachgang ist es sogar wichtig, dass man sie kennt und dennoch rechts und links liegen lässt, denn so kann man sich hinterher wunderbar darüber ärgern.

Gründen und starten

Die erste Ausfahrt, die man verpassen muss, ist es, die Gründung selbst gar nicht erst anzugehen. Die allermeisten begehen hier schon den Fehler, dass sie gar nicht erst gründen. Dann kann man später viel weniger gut scheitern. Also gehört die Gründung selbst zu den wichtigsten Grundlagen für ein mögliches Scheitern.

Besser als eine einfache Gründung, die man bewusst herbeiführt, ist eine Gründung aus der Not heraus, bei der die Rahmenbedingungen eher riskant sind. Damit erhöht man schon am Start den Druck und wenn man dann scheitert, kommt die Klatsche oben drauf, die einem innerlich sagt, dass man es doch hätte wissen müssen. Damit entfällt direkt die Möglichkeit, sich später vor dem Spiegelbild zu rechtfertigen. In diesem Fall war die Gründung eine Fortführung einer Jahre zuvor gegründeten Unternehmung, die aber bereits bewiesen hatte, dass es nicht unser "Ding" ist. Gut, wenn man dies schon reflektiert hat und dann eine richtige Gründung nachschiebt. Im Idealfall, wie es bei mir war, gründet man in persönlichen und familiären Schieflagen. Wenn möglichst wenig Rückhalt in der Familie existiert und man vielleicht gerade seine Eltern verloren hat, dann findet man die innere Ruhe und die Resilienz garantiert nicht, um die Strapazen einer Gründung auszuhalten. Wer das für zu optimal hält, kann sich ein als Schreikind bekanntes Phänomen direkt in die eigenen vier Wände holen, um für eine permanente Penetranz und Stimulierung zu sorgen. Diese Liste ließe sich beliebig steigern, das aber war mein Cocktail während der Gründung, der für ein Scheitern die Grundlage legt, aber keineswegs für ein frühzeitiges Scheitern verantwortlich ist. Es ist gerade so, dass die Kraft gut verbraucht wird und immer etwas zu wenig da ist.

Ein Team mit Experten aufbauen

Es gibt den Punkt, wo man alleine nicht weiterkommt. Hier würde ein Unternehmen schleichend einfach sterben. Dann aber fehlt die eingangs erwähnte Fallhöhe. Die ist so immens wichtig, dass man nach der Gründung in diesem Bereich einiges aufbauen muss. In meinem Fall stand ich vor der Entscheidung alles hinzuwerfen oder mir ein Team zu suchen, was mich unterstützt. Klar, das kostet viel Geld und man muss erstmal eines finden. Ic